Ich habe bisher etwas verschwiegen, auch wenn ich mich äusserst bemüht habe Klarheit, eine Eindeutigkeit der Lage zu schaffen, und gerade im Äusseren, jedoch was vorenthalten wurde ist der durchaus unsachliche Fakt, dass ich seit Eintrag 1 nicht mehr trinke, also im weitesten und durchaus unspektakulärem Sinne aber trotzdem beziehungsverformenden oder beziehungsformenden Fakt keine Drogen mehr zu mir nehme. Drogen als Chance auf Weltflucht. Sucht als Strukturkompetenz der Macht. Aufgabe als Zeichen der Annahme des Leidtragung, der Schmälerung. Kurzum, ich hatte es satt. Mein Körper hatte mich satt. Ich hatte die Schwäche und die Scheinheiligkeit meiner Kritik satt. Ich verabscheue als Idealist jegliche Form der Inkonsequenz, zu welchem Ergebnis sie auch führen mag. Der selbstgefälligen Dialektik möchte ich dogmatisch entgegentreten. Ich hatte das, was meine Realität sein wollte, satt. Ich wollte Realität nicht mehr schaffen, in der ich ihr entfliehe. In der ich mich an den Regalen und Schaltpulten der Selbstkonfiguration bediene, die uns der Maschinentraum zur Verfügung stellt. Das nicht Entfliehen können. Das permanente sich Aussetzen. Sich einem ja womöglich dem stärksten Herrschaftsprinzip und damit der Kontrolle der Massen zu entsagen, mich zu entwöhnen, ist für mich ein politischer Akt. Der Mythos des Ideenreichtums im hypnotischen Rauschzustand, ja in der Hochstimmung um zu erweitern und das Konzept der Happiness, welches man durchaus sehr nahe anordnen darf, wenn es nicht sogar immanent ist, mit einzufassen, und dem Durst nach deren Wiederholung stehe ich und stand ich stets mit äusserster Ablehnung gegenüber. Wie auch der Religion. Dem Kult des Rituals an sich. So stand ich mir mit Ekel gegenüber, mir ekelte es meiner Schwäche. Die Arbeit benötigt den Rausch zur Dekompression. Man muss sich entspannen, sich austoben, dem Frust und dem Druck der Leistungserbringung und damit der permanenten Angst um Verlust der Lebenserhaltung, freien Lauf lassen, ja freien Lauf lassen dürfen, wenn man denn schon sich dieses Elend antut. Wenn man schon nicht rebelliert, sich auflehnt gegen die Ungerechtigkeit, gegen das System das dieses Verhältnis hat. Man möchte auch nicht über die Arbeit sprechen nach der Arbeit, tut es trotzdem, in der heimlichen Hoffnung ihr vorausgeeilt zu sein, schwankend im Kopf und Glied 10 Bier und eine Schachtel Zigaretten in der Summe auf dem Rechnungsbeleg, aufwachend und sich tatsächlich noch erinnernd an den Vorsatz, den man hat gefasst, der unfassbaren Mengen leerer Gläser und heisserer Stimmen. Und wenn nicht, es war zumindest ein lustiger Abend! Was haben wir gelacht, ich weiss nicht mehr warum, aber lachen soll gesund sein. Und was nützt alles andere, es ist wie es ist und ich will nur ein Stück Leben, mehr nicht, aber auch nicht weniger. Einfach leben. Das ist nicht das schlechteste. Lachen. Happiness. Ausschüttung von Glückshormonen soll heilende Wirkung haben sagt eine Industrie. Ja Herrgott Nochmal natürlich! Was ist mit der Gemeinschaft, nein nicht der des Entertainments, dem Gefühl des Zusammenhalts, der solidarischen Verbundenheit, dem Erkämpfen gemeinsamer Ziele, dem Schaffen besserer Umstände, besseren Lebens, gemeinsam und konstruktiv auch im Falschen. Wir wollen tatsächlich belohnt werden für die Bemühungen um Rebellion, für die wir unsere Freizeit opfern. Nun bevor ich mich und andere weiter selbst bestrafe für den Drang nach Selbstverstümmelung oder Selbstverwirklichung wie es in der Ökonomie genannt wird, zurück zum Wesentlichen. Warum ist meine Nüchternheit relevant. Weil sie keine Klarheit schafft. Nicht, dass ich mir erhofft habe, womöglich habe ich mir heimlich gewünscht, dass Leben sich einfacher gestalten wird, wenn ich mich erstmal besser fühle, also nicht wohler sondern eben besser, also Leben nicht einfacher wird, sondern eben einsamer, als das Prinzip der Belohnung durch Konsum ganz im generellen entwöhnt wurde sofern möglich. Da ist plötzlich sehr viel Leere. Nicht eine erdrückende Leere oder tiefe Leere. Schon gar nicht eine Lehre, das wäre im eigentlichen Sinne nur ein Ersatz. In der Wesenheit, die bleibt, eingefasst in dem was anders ist, ganz im wesentlichen und aus jeglicher Gewohnheit. Da ist nichts, das einem eine Richtigkeit des Selbst bestätigen will. Nur eine Unvollkommenheit, die natürliche Unvollkommenheit. Und manchmal, in den erfolgreichen Momenten, sitze ich wie in einer Kugel aus Glas und von aussen dreschen wie in einem Albtraum düsteres Ge­äst gegen das Fenster des Kinderzimmers, wissend, dass es nur eine Illusion ist, eine Reflexion der Angst, die ich fühle, Angst, dass es tatsächlich irgendwann eine Realität (wieder) sein könnte.